Was ist Klimaneutralität?

Was ist Klimaneutralität?

Spätestens seit den Diskussionen rund um die 3. Piste des Wiener Flughafens wissen wir, dass der Begriff „Klimaneutralität“ noch keine allgemeingültige Definition genießt. Vielmehr existiert eine große Anzahl unterschiedlicher Begriffsverwendungen. Die einen sprechen von „Net Zero“, die anderen von „Science-Based-Targets“, wieder andere sprechen von CO­2-neutralen Produkten oder klimaneutralen Städten. Oftmals gehen diese Bezeichnungen einher mit fehlenden Informationen zur Berechnungsmethode, Intransparenz in Bezug auf die erfassten Systemgrenzen, sowie einer unzureichenden Zielsetzung für verbindliche Treibhausgasreduktionen. Da verwundert es wenig, dass es den KonsumentInnen zunehmend schwerfällt, klimaneutrale Produkte und Unternehmen in der Praxis transparent beurteilen und vergleichen zu können.

Was also ist Klimaneutralität und wie könnten einheitliche Rahmenbedingungen für die Verwendung des Begriffs aussehen?

Dieser Frage haben wir uns zusammen mit 3 Partnerorganisationen im Rahmen einer CCCA Arbeitsgruppe (Climate Change Center Austria) gewidmet und nach reiflichen Recherchen und Diskussionen ein Fact Sheet und ein Diskussionpapier publiziert.

Demnach liegt die Grundidee von Klimaneutralität darin, klimaschädliche Aktivitäten einerseits zu quantifizieren (mittels Treibhausgasbilanzierung) und andererseits zu „neutralisieren“. Dies kann in erster Linie durch direktes Vermeiden und Reduzieren von Treibhausgasen sowie indirekt durch die Finanzierung von Klimaschutzprojekten (Kompensation) für Emissionsmengen erfolgen, die nicht weiter reduzierbar oder vermeidbar sind. Um sich „klimaneutral“ nennen zu können, müssen aus unserer Sicht gewisse Qualitätskriterien erfüllt sein:

Die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen

Als Grundstein eines jeden Klimaschutzvorhabens wird eine umfassende Treibhausgasbilanz erachtet. Diese sollte nach den gängigen Standards (GHG Protokoll, ISO 14064-1:2018, oder ISO 14067:2018) erstellt sein und alle relevanten Emissionen enthalten. Besonders den Emissionen in den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten (so genannte Scope 3 Emissionen; wie etwa Dienstreisen, Materialbeschaffung, Logistik, angelegtes Finanzkapital etc.) kommt eine übergeordnete Rolle zu, da hier häufig die größten Hebel in der Reduktion liegen.

Die Vermeidung bzw. Reduktion dieser Emissionen

Frei nach dem Motto „Vermeiden-Reduzieren-Kompensieren“ ist es wichtig, zuerst alle Möglichkeiten der CO2-Vermeidung und Reduktion auszuschöpfen, bevor Kompensationsmaßnahmen ergriffen werden. Die aktive Einsparung von Emissionen verlangt nachweisbare und verbindliche Reduktionsziele, die sich am 1.5° Ziel orientieren (Stichwort: Science-Based), sowie konkrete und transparente Maßnahmen, wie diese erreicht werden können.  

Die freiwillige Kompensation der Rest-Emissionen durch Klimaschutzprojekte

Im Hinblick auf die Neutralisierung der Treibhausgase werden nur solche Klimaschutzprojekte empfohlen, die durch anerkannte Standards zertifiziert wurden (z.B. Gold Standard oder BOKU Klimaschutzprojekte) und einen nachweisbaren nachhaltigen Nutzen vor Ort erzielen. Die Kriterien der Zusätzlichkeit (d.h. Projekte würden ohne Kompensationsprozesse nicht ohnehin realisiert werden) und das Kriterium der Doppelzählung müssen eine relevante Basis solcher Standards sein. Eine „Klimaneutralstellung“ durch Kompensation alleine ist dabei genauso unzulänglich, wie das direkte Anrechnen von CO2-Zertifikaten auf die Treibhausgasbilanz. Eine rechnerische 0 direkt in der Bilanz ist daher nicht zulässig – die Kompensation muss nach den gängigen ISO-Standards in der Außendarstellung gesondert kommuniziert und der Prozess transparent beschrieben werden.

Transparente Verwendung und Kennzeichnung anhand gängiger Standards

Einen weiteren wesentlichen Beitrag zu mehr Verbrauchertransparenz kann die Einführung eines einheitlichen „Labels zu Klimaneutralität“ leisten, welches auf international anerkannten Standards beruht. Derzeit wird an einem solchen globalen Standard zu „Carbon Neutrality“ (Accounting & Offsetting) auf ISO Ebene gearbeitet, womit in Folge hoffentlich dem Wildwuchs bestehender Private-Label-Initiativen begegnet und übergeordnet objektiv-überprüfbare Qualitätskriterien eingeführt werden können. Eine Fertigstellung wird 2022/23 erwartet.

Wir handeln und beraten Sie im Einklang mit diesen Qualitätskriterien

Natürlich fühlen uns auch wir als BOKU Kompetenzstelle für Klimaneutralität den oben genannten Qualitätskriterien verpflichtet. In diesem Sinne beraten und unterstützen wir Sie gerne bei der Erstellung eines stringenten Monitorings, bei der Entwicklung bedarfsgerechter Reduktionsstrategien sowie bei der Kompensation von Restemissionen. Was wir hingegen nicht unterstützen ist die grüne Vermarktung klimaschädlicher Produkte. Denn es ist nicht im Sinne einer verantwortungsvollen Kommunikation, Produkte wie etwa fossile Energieträger, Wegwerf- oder Luxusgüter als klimaneutral darzustellen.

Kontaktieren Sie uns gerne!

Die GradWanderer
BOKU Kompetenzstelle für Klimaneutralität
Universität für Bodenkultur Wien
Dänenstrasse 4
1190 Wien

Tel: +43 1 47654-99112
Mail: co2.kompensation@boku.ac.atWas

 
 

Wir feiern unseren Relaunch!

Wir feiern unseren Relaunch!

Nach 10 Jahren unseres Bestehens geht das BOKU CO2 Kompensationssystem in die nächste Runde. Neben einem neuen Namen und einer neuen Website, haben wir auch neue Angebote für unsere Kunden und Kundinnen entwickelt. Erfahren Sie hier mehr die Grad°Wanderer – die
BOKU Kompetenzstelle für Klimaneutralität!

Unsere Geschichte im Klimaschutz

Im Jahr 2010 startete die Universität für Bodenkultur Wien das BOKU CO2-Kompensationssystem, um nicht vermeidbare Flüge von BOKU MitarbeiterInnen und Studierenden im Rahmen von Klimaschutzprojekten zu kompensieren. Damit war und ist die BOKU bis heute die einzige Universität, die eigene Klimaschutzprojekte zur Kompensation interner CO2 Emissionen umsetzt. Das erste Projekt, mit dem wir unser Wagnis starteten,
war ein Waldaufforstungsprojekt in Nord Gondar, Äthiopien.

Bald schon wuchs das Interesse an der Möglichkeit einer CO2-Kompensation auch seitens Privatpersonen und Firmen. Bis heute haben wir dank der vielen
Kompensationszahlungen bereits 8 Klimaschutzprojekte in Ländern des globalen Südens gestartet!

Diese Klimaschutzprojekte speichern rund 150.000 Tonnen CO2. Außerdem werden im Sinne der UN Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDGs) weitere
ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigt, wie etwa die Bildung und Selbstbestimmung der lokalen Bevölkerung oder der Schutz der
Biodiversität. Damit gehen die Vorteile der BOKU Klimaschutzprojekte weit über die reine Kompensation von CO2 hinaus.

Erweiterung unserer Angebote in Richtung Klimaneutralität

Insbesondere nach der Verabschiedung des Paris Abkommens 2015 stieg das Bewusstsein für Klimaneutralität und damit die Frage, wie man diese in Firmen und Organisationen erreichen kann. Daher haben wir mit Anfang 2020 unser Angebot erweitert: Wir bieten nun auch Beratung für Organisationen bei der Reduktion der eigenen Emissionen sowie Wissenstransfer im Bereich Klimaneutralität an. Mit diesem Schritt gingen auch eine neue Namensgebung und der Launch dieser neuen Website einher.

Dafür stehen wir

Durch unseren non-profit-Status als universitäre Einrichtung garantieren wir unabhängige und wissenschaftsbasierte Informationen, transparente Prozesse und kritische Perspektiven. Unser Ziel ist es, Klimabewusstsein zu schaffen und Klimaneutralität auf einer breiten Basis zu ermöglichen. Denn so helfen wir mit, die Weichen für eine zukunftsfähige und klimagerechte Gesellschaft zu stellen!